Kampf gegen den Menschenhandel (human trafficking) in Thailand − Interview mit Sompop Jantraka
Sompop Jantraka von der CO-OPERAID-Partnerorganisation DEPDC in Thailand ist ein international anerkannter Kämpfer und Fachmann für die Kinderrechte in Asien. 1998 wurde er für den Friedensnobelpreis nominiert und war TIMEAsia Hero 2002. Er berichtet von den Erfolgen der Arbeit gegen Menschenhandel (human trafficking) und Kinderarbeit.
Sompop Jantraka, wie hat sich die Situation der Kinder im Norden von Thailand seit den frühen 90er Jahren geändert?
Die Anzahl der Kinder, die in Gefahr sind, Opfer von Human Trafficking zu werden, ist kleiner geworden. Das hat mit dem besseren Zugang zur Bildung zu tun, mit der Regierungspolitik, die Bildung für alle gewährleisten will, und mit der Arbeit der Non-Profit-Organisationen (NPO) in der Region. Die meisten gefährdeten Kinder stammen heute aus Randgruppen der Gesellschaft. Diese finden sich noch stärker an den Rand gedrängt als in der Vergangenheit. Die meisten Opfer kommen aus Migrantenfamilien, haben einen unsicheren legalen Status, oder leben in Grenzgebieten. Sie sind heute stärker betroffen als die lokalen Thais oder die Bergvölker-Kinder.
Geändert hat sich auch, dass die Kinderrechte von den lokalen Gemeinschaften stärker respektiert werden als in der Vergangenheit, und dass Eltern, Lehrer und Behörden respektvoller mit Kindern umgehen. Neue Gesetze für den Schutz von Kindern und Jugendlichen widerspiegeln diesen gesellschaftlichen Wandel. Die Regierung hat dazu beigetragen, indem mehr Kinder als in der Vergangenheit als Thai-Bürger registriert wurden. Trotzdem steht eine Anzahl Kinder immer noch den gleichen Problemen gegenüber wie vor 18 Jahren: Drogenabhängigkeit, sexueller Missbrauch, Armut.
Welches sind heute die dringendsten Anliegen des Kinderschutzes in Thailand?
Am Dringendsten ist eine geeignete, kostenlose Bildung für die Kinder in ländlichen Gegenden. Kinder brauchen auch besseren Zugang zu sozialen Dienstleistungen und mehr Angebote in den Bereichen Gesundheit, Sport, Lebenskunde.
Wie ist der Menschenhandel in der Mekong-Region organisiert?
Lokale Agenten spielen eine sehr wichtige Rolle. Sie machen mögliche Opfer ausfindig und stellen den Kontakt zu ihnen und den Familien her. Diese Agenten bilden ein Netzwerk mit kriminellen Banden, dem organisierten Verbrechen (Mafia) und anderen illegalen Gruppierungen. Das Netzwerk ist über internationale Grenzen hinweg verbreitet. Es pflegt und bedient sich der Korruption auf allen Ebenen. Die Opfer werden oft in Privathäuser gebracht, und von da nach Zentral-Thailand. Dann werden sie in den Süden oder ins Ausland transportiert. Die Kriminellen operieren auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
Welches sind die Destinationsländer?
Viele Opfer werden von Thailand in Zweit- und Drittländer geschafft. Die meisten nach Malaysia, Singapur, Taiwan, Japan, Australien, in die USA und nach Deutschland. Diese Opfer sind für verschiedene Arten der Ausbeutung bestimmt: Prostitution, Sexangebote für Touristen, Auftritte in Shows, Hausarbeit, Fabrikarbeit, Landwirtschaft, Fischerei, oder Verheiratung im Bestimmungsland.
Im Kampf gegen Human Trafficking gibt es aber auch Erfolge. Welche Rolle spielen dabei Organisationen wie DEPDC?
Die Organisationen gegen das Human Trafficking sind stärker geworden. Human Trafficking spielt auf der internationalen Agenda eine wichtigere Rolle. Die NPO waren erfolgreich in der Aufklärungsarbeit gegenüber der Öffentlichkeit. Sie haben die Regierungen dahingehend beeinflusst, dass Human Trafficking nicht nur als Problem der illegalen Migration oder der Prostitution angesehen wird, sondern als ein Problem der Menschenrechte und der persönlichen Sicherheit.
Die Regierungen der «Greater Mekong Subregion» (Mekong Anrainerstaaten Thailand, Laos, Myanmar, Kambodscha, Vietnam und Yunnan, China) haben nun ein grösseres Interesse daran, dieses Problem zu lösen. Es werden Arbeitspapiere und nationale Aktivitätenpläne erstellt. Zum Beispiel Thailand zeigt sich sehr besorgt und unternimmt ernsthafte Anstrengungen um den Schutz für die Opfer zu verbessern und die Strafen für die Verbrecher zu verschärfen. Die NPO sind eine wichtige Kraft in diesem Kampf. Gewonnen werden kann der Kampf aber nur in Zusammenarbeit mit allen Sektoren der Gesellschaft.
(siehe auch: Projekt Patak, Thailand)



