Kinderhaushalte: wenn Kinder auf sich alleine gestellt überleben müssen

Waisenkinder, Aidswaisen: Kinderhaushalt in UgandaBesondere Aufmerksamkeit innerhalb des CO-OPERAID Aids-Waisen-Projekts in Uganda erfahren die Kinderhaushalte. Die ins Projekt eingebundenen Frauengruppen leisten Betreuungsarbeit für solche verlassenen Kinder. Es wird sichergestellt, dass sie weiterhin die Schule besuchen und einen Beruf erlernen können. Neben der materiellen erhalten die Kinder psychosoziale Hilfe, die auch Rechtshilfe umfassen kann, wenn das Eigentum gefährdet ist.

Fortgejagt – James und Edward

Als ihr Vater im Jahr 2003 an Aids starb, wie schon die Mutter ein Jahr zuvor, wurden James (15), sein Bruder Edward (12), und ihre Schwester Grace (11) vom ältesten Bruder Gerald aus dem Haus der Familie verjagt. Er und seine Frau hatten jetzt selber ein Baby, und kämpften in grosser Armut ums Überleben. Grace wurde von einer Tante aufgenommen, die beiden Knaben aber blieben allein. Aus Bananenblättern und Holzstücken bauten sie sich einen Verschlag. Dreimal stürzte er im Regen und Wind zusammen. Sie bauten ihn wieder auf. Wenn sie abends von der Schule nach Hause kamen, hatten sie oft nichts zu essen, vor allem in der Trockenzeit. Ihr Verschlag war abgelegen und bot kaum Schutz. Sie hatten Angst.

Die Eziva Awamu Frauengruppe in der Gemeinde Lugando ist eine der Gruppen innerhalb des Aids-Waisen-Projekts, die sich um Waisenkinder kümmert. Sie nahm sich auch James’ und Edwards an. So oft wie möglich brachten die Frauen Essen und Seife. Sie halfen den beiden die Kleider zu waschen, und richteten mit ihnen einen Gemüsegarten ein. Mit Hilfe von Vertretern aus dem Dorf versuchten sie den älteren Bruder Gerald umzustimmen.

Im Herbst 2006 erklärte sich Gerald zumindest damit einverstanden, die beiden Brüder auf dem Grundstück zu akzeptieren. Neben dem Elternhaus wurde für sie ein einfaches Haus aus Lehm gebaut, wo sie seither wohnen. Weiterhin besuchen die beiden die Schule – Edward die Primarschule, James einen Berufslehrgang zum Schreiner. In einem Jahr wird James diesen abschliessen und dabei Werkzeug erhalten. Er hofft, dass er dann genug Geld verdienen kann, um sich und seinen Bruder zu ernähren.

Verlassen – Prossi und Prisca

Im Dorf Kitwalanye leben Prossy Nassolo (13) und ihre Schwester Prisca Nalinya (10) alleine in ihrem Elternhaus. Die beiden besuchen die Kabingo Primarschule, die 5. respektive die 2. Klasse. Ihr Vater Policapo Kayondo ist im Jahr 2001 an Aids gestorben. Ihre Mutter hat die beiden Mädchen kurz später verlassen. «Sie ist einfach weggegangen, wir wissen nicht wohin, und hat uns hier allein gelassen. Wir haben sie nie mehr gesehen», sagt Prossy traurig.

«Wir bauen Mais und Bohnen an. Während der Trockenzeit aber gehen wir manchmal mit leerem Magen schlafen». Früher hat ihr älterer Bruder Kasaga den Mädchen geholfen. Doch war es schon schwierig für ihn, für seine eigene Familie zu sorgen. Inzwischen ist er mit ihr in einen angrenzenden Bezirk gezogen, wo er auf eine bessere Existenz hofft. Jetzt sind nur noch die Nachbarn da, die den Mädchen so gut als möglich helfen. Die Fenster des alten Hauses haben sie mit getrockneten Bananenblättern aber selber repariert. «Wir brauchen vor allem Bettzeug, Kleider und Essen», sagen die Mädchen. Sie hoffen auf weitere Hilfe.

«Wir fühlen uns sehr allein» – Mutebi, Galiwango, Nansubuga und Najja

Mutebi (14), Galiwango (12), Nansubuga (10), und Najja (6) leben alleine in einer Hütte auf einem kleinen Stück Land im Dorf Lugando. Sie sind auf sich allein gestellt, seit 1999 ihre Mutter an Aids gestorben ist. Der Vater starb bereits zwei Jahre früher. Erst hat sich kaum jemand um sie gekümmert. Im Gegenteil: die wehrlosen Kinder mussten aufpassen, dass ihnen ihr bisschen Hab und Gut nicht weggenommen wurde. Nur eine Tante schaute ab und zu nach ihnen. Später hat sich eine Frauengruppe des Aids-Waisen-Projekts ihrer angenommen. Die Kinder sorgen inzwischen erstaunlich gut für sich selber. Sie holen Holz und Wasser, kochen und putzen. «Nur Najja ist zu klein, um mitzuhelfen», erklärt Mutebi.

Durch die Initiative einer CO-OPERAID-Patin kam etwas Sonne in ihr Leben. Durch eine Sammlung im Freundes- und Bekanntenkreis wurde es möglich, ein neues Haus für die Kinder zu bauen, Vieh für sie anzuschaffen, und ihnen Kleider und Haushaltartikel zu schenken. Sie haben nun ein Einkommen, mit dem ihre Alltagsbedürfnisse besser abgedeckt werden können.

«Es geht uns viel besser als vor einem Jahr», sagen die Kinder. Doch noch immer fühlen sie sich allein. Darum gehen sie auch gern zur Schule, wo sie Freunde haben und Freude und Fröhlichkeit erleben, die ihnen zuhause oft fehlt.

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