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LOVe-Forschungsgruppe im Projekt Tumaini, Kenia

Die Forschungsgruppe der Uni Freiburg arbeitete seit dem 22. Juni 2009 rund einen Monat lang zum Thema «Chancen und Perspektiven von kenianischen Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt» in unserem Berufsbildungsprojekt in Kenia. Gleichzeitig berichtete sie über ihre Erfahrungen. 

Bericht vom 28. Juni 09: Ankunft in Nakuru, Unterkunft bei HMDS

Nachdem wir am Dienstag, 23.6.09, nach einer langen Reise endlich in Nairobi gelandet waren, wurden wir herzlich von der Partnerorganisation Help Mission Development Services (HMDS) empfangen. HMDS nimmt sic h sehr viel Zeit für uns. Die erste Woche konnten wir nutzen, um uns langsam hier einzuleben, die wichtigsten Infos zu beschaffen, aber auch um Näheres über die Arbeit von HMDS zu erfahren. Es ist auffallend, dass HMDS oft bis spät abends arbeitet. Und dass viel gelacht wird! Die Lebensfreude und das Lachen der HMDS-Mitarbeitenden sind sehr ansteckend.

HMDS hat auch den Kontakt zum 'Ministry of youth affairs and sports' für uns geknüpft. Anlässlich eines Interviews mit der stellvertretenden Direktorin für Jugend- und Sportfragen stellten wir fest, dass die Zusammenarbeit mit staatlichen Projekten gut funktionieren muss. Denn das Ministerium war sehr kooperativ und hat uns sofort zu weiteren Interviews eingeladen.

Von links: Leandra Misteli, Olivia Fiechter, Veronique Blanchard.

Am Samstag stand der Besuch des Kabimoi Youth Polytechnic (YP) auf dem Programm. Ein regionaler Politiker überreichte der Berufsschule dabei einen Check über 1’000’000 Kenianische Schilling (rund 14'000 SFr.) von der Regierung. Die Regierung wisse den Fortschritt der Schule zu schätzen und lasse deshalb gerne mehr Geld in die Schule fliessen, welche durch das Projekt von CO-OPERAID und HMDS gefördert wird.

 

Nach der Besichtigung der Schule besuchten wir einen durch das Projekt organisierten Sportanlass, an dem drei Berufsschulen sowie die Kabimoi Sekundar- und High School teilnahmen. Die Jugendlichen waren sehr aufgeregt und feierten ihre Siege wie den Gewinn des Welt-Cups. Sie sind sehr neugierig und sprachen uns drei bei jeder Gelegenheit an. Wir wurden regelrecht überrumpelt. Dabei blieben jedoch alle freundlich und aufgestellt. Die lebensfreundliche und motivierte Art der Jugendlichen hat uns sehr positiv überrascht. Diese Erfahrung war für uns sehr schön und es hat uns gefreut, wie motiviert und gewillt die Jugendlichen sind.


Wir sind gespannt, was der weitere Verlauf unseres Aufenthalts bringt...

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Bericht vom 7. Juli 09: Start der Forschungsarbeit mit Interviews

Nach zwei Wochen Aufenthalt in Kenia haben wir uns mittlerweile gut in Nakuru eingelebt. Wir führen viele Interviews mit den SchulabgängerInnen der Youth Polytechnics und den zuständigen District Officers als ExpertInnen. Dabei erhielten wir einen ersten Einblick in die Lebensumstände der Schüler/innen. Durch unsere Fragen kamen ihre Probleme und Wünsche zum Ausdruck.

 

Viele leben in sehr armen Verhältnissen. Die Häuser sind oft aus Blech oder Lehm. Meistens sind sie nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Einige haben weder Möbel noch Radio oder TV. Vor allem die Menschen auf dem Lande müssen noch ohne Elektrizität auskommen und daher mit Holz oder Kohle kochen. Auch fliessendes Wasser ist noch nicht überall vorhanden, was heisst, dass es aus dem Brunnen geholt werden muss.

 

Nach den Aussagen der bisherigen Interviews sind die Arbeitsbedingungen hier in Kenia sehr hart. Es ist schwierig nur als Angestellte/r die Familie zu ernähren. Die Löhne sind sehr niedrig, die Preise für Lebensmittel steigen dagegen stetig. Der Anstieg hat auch mit den letztjährigen Ausschreitungen nach den Wahlen zu tun. Und da es im Moment an Regen mangelt, werden die Preise nicht fallen, sondern eher noch ansteigen. Vergleicht man die Preise (beinahe schweizerische Verhältnisse) mit den Löhnen, fragt man sich, wie die Leute überhaupt überleben können.

 

Um ein Beispiel zu nennen: eine Schneiderin verdient als Angestellte etwa 2‘500 Kenianische Schilling pro Monat (ca. 45 Franken). Wenn unsere Gruppe im Supermarkt das Nötigste für mehrere Tage einkauft – beispielsweise 400 g Brot (355 KSH = 6.50), 1 kg Butter, 1 kg Zucker (100 KSH = 1.80), 1kg Reis, 1 kg Ugali (Hauptnahrungsmittel, 295 KSH = 5.40), Milch, 8 Joghurts, Frühstücksflocken, 200 g Tee (220 KSH = 4.00) – geben wir gesamthaft rund 3‘500 KSH (ca. 65 Franken) aus…

 

Für die meisten AbgängerInnen der Youth Polytechnics ist das Programm von CO-OPERAID und Help Mission Development Services (HMDS) zur Unterstützung der Selbständigkeit die einzige Möglichkeit, aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Unterstützung ist vor allem für die Ärmeren gedacht und wird in Form von Maschinen, Werkzeugen und Kapital übergeben. Allem Anschein nach ist es sehr wichtig, ein eigenes Geschäft zu eröffnen, um somit unabhängig zu sein und genügend Geld zum Überleben zu verdienen. Da es so viele sind, die gerne am Programm teilnehmen würden, ist die Warteliste lang (etwa 400 Jugendliche). Aber durch die Youth Polytechnics sollten die SchulabgängerInnen eine gute Arbeitspraxis für die Zukunft erhalten. Sie sind somit für den Arbeitsmarkt gewappnet, wobei ein grosser Mangel an Arbeitsplätzen besteht. Der Andrang für das Programm ist daher nachvollziehbar.

Bericht vom 13. Juli 09: Besuch an der Ochii Berufsschule

 

Unser Forschungsprojekt neigt sich langsam dem Ende zu. So haben wir mittlerweile auch Zeit, mit dem Team von HMDS (Help Mission Development Services, die lokale NGO) umherzureisen und ihre Arbeit etwas genauer anzuschauen. Heute besuchten wir mit ihnen die Ochii Berufsschule. Grund für den Besuch war zum einen eine HIV/Aids-Aufklärung für die Schüler/innen und zum andern eine Veranstaltung betreffend «Income Generating» (Einkommens-förderung) für die Lehrerschaft.

 

Es war interessant und spannend, wie HMDS das heikle Thema HIV/Aids an die Jugendlichen vermittelt. Obwohl Kiswahili gesprochen wurde, haben wir ungefähr folgen können, da viele Ausdrücke auch in Englisch gebraucht wurden. Ausserdem wurden die Stichworte in Englisch an die Wandtafel geschrieben. Es war ein lebhafter, emotioneller Unterricht, welcher die Jugendlichen zum Mitmachen anregte. Uns schien es, dass die Jugendlichen bei einer solchen Art von Unterricht sehr viel mitnehmen können. Der Unterricht will die Schüler/innen über die Ursachen und Folgen von Aids informieren und aufzeigen, wie man sich schützen kann.

 

Ziel des «Income Generating» ist es, Einnahmen für die Berufsschulen zu erzielen, damit sie sich in näherer Zukunft selbstständig finanzieren können. An dieser Veranstaltung wurde Englisch gesprochen, so dass wir gut folgen konnten. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Budget für die Einkommensförderung bisher gut eingesetzt wurde. Es gibt noch eine Reserve, um weitere Ausgaben machen zu können. Es wurde dem Management nahegelegt von nun an viel mehr ins Marketing zu investieren. Denn obwohl die Ochii Schule vielen Jugendlichen Platz bietet, gibt es momentan nur sehr wenige Schüler/innen. Die Berufsschule scheint in der Region zu wenig bekannt zu sein. HMDS schlug vor, dass die Schule Werbung für die selbstgemachten Produkte macht, einerseits um den Verkauf zu fördern, anderseits um die Schule bekannt zu machen. Der Satz «make this Youth Polytechnic a business» fiel in diesem Zusammenhang mehrmals.

 

Trotz der ernsthaften Themen wurde viel gelacht und die Stimmung war im Allgemeinen fröhlich. Zum Schluss durften wir noch eine traditionelle Mahlzeit, die in der Schulküche auf offenem Feuer zubereitet wurde, zu uns nehmen. Für uns bot dieser Tag eine tolle Abwechslung.

Bericht vom 16. Juli 09: Begegnung mit der TEARS Jugendgruppe

Unsere Begegnung mit der Jugendgruppe Tears (Theatre for Enhancement and Acceleration of Researched Solutions) war sehr aufschlussreich. Tears will Jugendlichen mittels Theater, Musik und Kunst neue Erfahrungen, neues Wissen und neue Fähigkeiten vermitteln. Mit Unterstützung des Projekts Tumaini bietet die Gruppe Kurse an, welche die Talente der Jugendlichen fördern. Unter anderem Malerei, Musik, Schneiderei und Modedesign. Ein weiterer Schwerpunkt der Tears-Gruppe ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Aidsproblematik mittels Theater.

 

Unsere erste Begegnung mit der Gruppe war sehr unterhaltsam und witzig. Am Sporttag, der von HMDS in Kabimoi organisiert wurde, war sie einer der Mitorganisatoren und verantwortlich für ein spannendes Pausenprogramm. Obwohl wir die kurzen Theatereinlagen in Kiswahili nicht verstanden, war dem Gelächter des Publikums doch zu entnehmen, dass sie witzig sein mussten und grossen Gefallen fanden. Die spontanen Tanzvorführungen der Gruppe konnten, wie in Afrika wohl üblich, das Publikum ebenfalls zum Tanzen animieren.

 

Unser Interesse für die Gruppe war geweckt. Wir besuchten sie ein paar Tage später in der Stadt Nakuru. Bereits am Empfang wurden wir fröhlich und herzlich begrüsst. Auf dem Rundgang durchs Zentrum konnten wir Jugendlichen beim Malen von Bildern, die später verkauft werden, über die Schultern schauen. Musiker, die dabei unterstützt werden, eine eigene CD aufzunehmen, spielten uns voller Enthusiasmus Lieder vor. In der Schneiderei stimmten wir begeistert dem Angebot zu, dass die Jugendlichen Kleider für uns nähen. Wir gaben dann gleich noch ein paar Landschaftsbilder in Auftrag. In einer Woche können wir alles abholen. Wir sind bereits jetzt sehr gespannt.

Die Tears-Gruppe hat mehrere kleine Ladenlokale angemietet, in denen die Jugendlichen, die ihre dreimonatige Ausbildung abgeschlossen haben, ihre Kleider oder Bilder verkaufen können. Während des Nachmittages, den wir mit der Gruppe verbrachten, konnten wir uns davon überzeugen, dass hier eine junge, motivierte und sehr dynamische Gruppe junger Menschen versucht, Chancen und eine Perspektive für die Zukunft für Gleichaltrige zu schaffen.

In diesem Sinne: Amani- ndio tunaweza! (Peace- yes, we can!)

Bericht vom 22. Juli 09: 30 Tage in Kenia Rückblick.

 

Unsere Feldphase hier in Kenia neigt sich nun langsam aber sicher dem Ende zu.
Für uns wird es somit Zeit, die letzten 30 Tage Revue passieren zu lassen. Während unseres Aufenthaltes haben wir viele spannende Sachen erlebt. Dank unserer Arbeit mit den Jugendlichen haben wir einen tiefen Einblick in die Kultur und das Land erhalten. Durch die Interviews erfuhren wir, dass die Leute hier mit vielen Problemen konfrontiert sind, die wir aus unserer Kultur kaum kennen. Nahrungsmittelkrise, Tribalismus (Rassismus gegenüber verschiedener ethischer Minderheiten), gewalttätige Ausschreitungen und Vertreibungen während den letzten Wahlen, Armut, Hunger und so weiter prägen den Alltag vieler Jugendlicher in Kenia.

 

Die Projekte von CO-OPERAID und HMDS versuchen genau diese Probleme aufzugreifen und verschieden zu thematisieren und beheben. Es ist interessant zu sehen, mit wie wenig man hier etwas bewirken kann. Einige Beispiele sollen dies kurz erläutern:


- Durch die Bereitstellung von Materialien und Maschinen, z.B. eine Nähmaschine, Stoff, Schere und Faden, kann sich eine Person selbstständig machen und damit sich und die ganze Familie ernähren. Oftmals profitiert auch noch die Verwandtschaft davon.

 

- Durch eine Hand voll motivierter Jugendlicher kann ein grosser Teil der Bevölkerung auf Themen wie HIV/Aids aufmerksam gemacht und über Ansteckung und Verhütung aufgeklärt werden. Wir konnten mehrmals live dabei sein, wie Jugendgruppen (Bsp. TEARS, Genesis) auf der Strasse durch Gesang und Tanz viele Leute zum Stehenbleiben und Zuhören gebracht haben. Ein solch lebendiges Spektakel ist unbeschreiblich.


- Durch die Instandhaltung von Berufsschulen (Youth Polytechnics) wird vielen Jugendlichen eine Möglichkeit zur Ausbildung geboten. Diejenigen Familien, welche sich eine Sekundarschule oder Universität nicht leisten können, finden am Youth Polytechnic eine billigere aber dennoch gute Alternative. Oftmals genügt die Bereitstellung von Büchern, Computern, Stühlen und weiteren Dingen, die für uns als selbstverständlich gelten.

Während unseres Aufenthaltes in Kenia haben wir einen tiefen Einblick in diverse Projekte erhalten und viele Schulen besucht. HMDS, Die Partnerorganisation von CO-OPERAID, hat sich alle Mühe gegeben, uns alles zu zeigen und uns unsere Arbeit leichter zu machen. Es ist unglaublich wie sehr das HMDS-Team für seine Arbeit lebt. Es gibt hier keine Arbeitszeiten; es wird gearbeitet, so lange es Arbeit gibt. 8 Stunden-Tage sind die Ausnahme. Oftmals kamen Mitglieder des Teams erst spät abends von den Schulbesuchen (Bsp. HIV/Aids-Aufklärungskampagnen, Lieferung von Schulmaterial...) nach Hause. Zusätzlich waren sie an den Wochenenden hier. Wir haben uns manchmal gefragt, ob sie ihre eigenen Familien überhaupt noch zu Gesicht bekommen. Aber dennoch scheinen alle ihre Arbeit gerne zu machen und sind sehr motiviert, als zusätzliche Arbeit auch noch uns zu betreuen. Dafür sind wir sehr dankbar.


Nach getaner Arbeit und einer sehr interessanten, spannenden und aufschlussreichen Zeit hier in Nakuru werden wir das Land nun auch noch auf touristische Weise erkunden.

Während eines Interviews.
Lunch an der Nakuru- Berufsschule.
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